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Schädlings-Guide

Ratten bekämpfen: Der vollständige Praxis-Guide 2026

Alles über Wanderratten und Hausratten: Biologie, Erkennungsmerkmale, professionelle Bekämpfung und gesetzliche Dokumentationspflichten für Lebensmittelbetriebe und Schädlingsbekämpfer.

Steckbrief: Wanderratte (Rattus norvegicus)

20–28 cm
Körperlänge
5–7
Würfe/Jahr
6–12
Jungtiere/Wurf
21–23 Tage
Tragzeit
3 Monate
Geschlechtsreife
1–2 Jahre
Lebenserwartung
30–50 m
Aktionsradius
30–50 g
Tägliche Nahrung
Warnung: Ratten können über 60 Krankheiten auf Menschen übertragen, darunter Leptospirose, Salmonellose und Hantavirus. Bei Befall in Lebensmittelbetrieben ist sofortiges Handeln gesetzlich vorgeschrieben. Biozide dürfen nur von Sachkundigen nach §9 ChemG eingesetzt werden.

Steckbrief

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist in Deutschland der häufigste Nagetier-Schädling. Körperlänge: 20–28 cm (+ Schwanz 18–24 cm), Gewicht: 200–500 g. Färbung: graubraun oberseits, hellgrau/beige unterseits. Stumpfe Schnauze und deutlich kürzerer Schwanz als Kopf-Rumpf-Länge unterscheiden sie von der Hausratte.

Fortpflanzung

Geschlechtsreife ab 3 Monaten. 5–7 Würfe pro Jahr mit je 6–12 Jungtieren. Theoretisch können aus einem Rattenpaar innerhalb eines Jahres über 1.000 Nachkommen entstehen. Schnelle Bekämpfung ist daher entscheidend.

Lebensraum

Wanderratten bevorzugen Kanalisationssysteme, Kellerräume, Deponien und landwirtschaftliche Anlagen. Radius: 30–50 m vom Nest. Meist nachtaktiv, scheuen Menschen — Sichtungen am Tag deuten auf starken Befall hin.

Sinne & Intellekt

Ratten sind hochintelligent, lernen schnell und meiden unbekannte Objekte ("Neophobia"). Köder werden anfangs oft ignoriert — Angewöhnungsphase von 3–5 Tagen einkalkulieren. Exzellentes Geruchsgedächtnis: Handschuhe beim Aufstellen von Köderboxen verwenden.

Kotspuren

Rattenkot: 15–20 mm lang, zylindrisch mit spitzen Enden, dunkelbraun bis schwarz. Täglich 40–50 Kotballen je Tier. Frischer Kot (glänzend, weich) zeigt aktiven Befall. Älterer Kot (matt, spröde) kann auf abgeklungenen Befall hinweisen.

Fraß- und Nagespuren

Ratten nagen Holz, Kunststoff, Weichmetalle und sogar Beton an. Typisch: abgenagte Kabelisolierungen (Brandgefahr!), Lochfraß in Verpackungen (mind. 20 mm Ø), Nagespuren an Gebälk und Türrahmen.

Lauf- und Schmierspuren

An regelmäßig genutzten Laufwegen entstehen durch Körperfett und Schmutz dunkle Schmierspuren ("Greasy Marks") an Wänden, Rohren und Balken. Laufwege folgen immer Wänden und Ecken.

Baue und Nester

Außenbaue: Erdlöcher mit 7–9 cm Durchmesser, sauber ausgeworfene Erde, Einstiegslöcher meist an Gebäudewänden, unter Gehwegplatten oder an Böschungen. Innen: Nester aus Papier, Textil, Dämmmaterial in Hohlräumen.

Sofort-Checkliste: Rattenbefall erkannt — was tun?

  1. 1Befall dokumentieren (Fotos, Befallsorte, Befallsspuren) — Datum und Uhrzeit notieren.
  2. 2Eintrittspfade identifizieren und provisorisch verschließen (Schäden sofort beheben).
  3. 3Lebensmittel und Rohstoffe in befallsnahen Bereichen sperren und überprüfen.
  4. 4Sachkundigen Schädlingsbekämpfer unverzüglich kontaktieren.
  5. 5Bei Lebensmittelbetrieb: HACCP-Team informieren, Korrektivmaßnahmen dokumentieren.
  6. 6Biozideinsatz nur durch Sachkundige — Köderboxen tamper-resistant aufstellen.
  7. 7Kontrolltermin nach 7–10 Tagen vereinbaren, Befund dokumentieren.
  8. 8Nach Befall: Ursachenanalyse (Root Cause) und bauliche Mängel beheben.

Häufige Fragen zu Ratten

Wie lange dauert eine Rattenbekämpfung?

Eine professionelle Rattenbekämpfung mit Antikoagulantia dauert typischerweise 3–6 Wochen. Nach dem ersten Köderauslegen vergehen 7–14 Tage, bis die Tiere verenden. Anschließend sind 2–3 Kontrolltermine notwendig, um sicherzustellen, dass kein Befall mehr vorhanden ist und alle Köder entfernt wurden.

Sind Ratten giftig?

Ratten selbst sind nicht giftig, aber sie können über 60 Krankheitserreger übertragen: Leptospirose (über Urin), Salmonellen (über Kot), Hantavirus (über Ausscheidungen und Atemluft), Pest (historisch, heute kaum relevant). Im Umgang mit Rattenkot und -nestern immer Handschuhe und Atemschutz tragen.

Woher kommen Ratten ins Haus?

Die häufigsten Eintrittsquellen sind: Kanalisationsanschlüsse und Toilettenabflüsse (Ratten können in Rohren schwimmen), undichte Kellerwände und -böden, Öffnungen um Rohrleitungen (bereits 2 cm reichen), beschädigte Türdichtungen und Ladeklappen sowie Versorgungslieferungen mit kontaminiertem Gut.

Wie erkenne ich Rattenkot von Mäusekot?

Rattenkot ist deutlich größer (15–20 mm) und zylindrisch mit spitzen Enden. Mäusekot ist kleiner (3–7 mm), tropfenförmig mit Spitzen. Rattenkot hat oft eine etwas gebogene Form ("Bananenform"). Bei mehr als 50 Kotballen an einem Ort ist von einem aktiven Rattennest in der Nähe auszugehen.

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