Alles über Wanderratten und Hausratten: Biologie, Erkennungsmerkmale, professionelle Bekämpfung und gesetzliche Dokumentationspflichten für Lebensmittelbetriebe und Schädlingsbekämpfer.
Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist in Deutschland der häufigste Nagetier-Schädling. Körperlänge: 20–28 cm (+ Schwanz 18–24 cm), Gewicht: 200–500 g. Färbung: graubraun oberseits, hellgrau/beige unterseits. Stumpfe Schnauze und deutlich kürzerer Schwanz als Kopf-Rumpf-Länge unterscheiden sie von der Hausratte.
Geschlechtsreife ab 3 Monaten. 5–7 Würfe pro Jahr mit je 6–12 Jungtieren. Theoretisch können aus einem Rattenpaar innerhalb eines Jahres über 1.000 Nachkommen entstehen. Schnelle Bekämpfung ist daher entscheidend.
Wanderratten bevorzugen Kanalisationssysteme, Kellerräume, Deponien und landwirtschaftliche Anlagen. Radius: 30–50 m vom Nest. Meist nachtaktiv, scheuen Menschen — Sichtungen am Tag deuten auf starken Befall hin.
Ratten sind hochintelligent, lernen schnell und meiden unbekannte Objekte ("Neophobia"). Köder werden anfangs oft ignoriert — Angewöhnungsphase von 3–5 Tagen einkalkulieren. Exzellentes Geruchsgedächtnis: Handschuhe beim Aufstellen von Köderboxen verwenden.
Rattenkot: 15–20 mm lang, zylindrisch mit spitzen Enden, dunkelbraun bis schwarz. Täglich 40–50 Kotballen je Tier. Frischer Kot (glänzend, weich) zeigt aktiven Befall. Älterer Kot (matt, spröde) kann auf abgeklungenen Befall hinweisen.
Ratten nagen Holz, Kunststoff, Weichmetalle und sogar Beton an. Typisch: abgenagte Kabelisolierungen (Brandgefahr!), Lochfraß in Verpackungen (mind. 20 mm Ø), Nagespuren an Gebälk und Türrahmen.
An regelmäßig genutzten Laufwegen entstehen durch Körperfett und Schmutz dunkle Schmierspuren ("Greasy Marks") an Wänden, Rohren und Balken. Laufwege folgen immer Wänden und Ecken.
Außenbaue: Erdlöcher mit 7–9 cm Durchmesser, sauber ausgeworfene Erde, Einstiegslöcher meist an Gebäudewänden, unter Gehwegplatten oder an Böschungen. Innen: Nester aus Papier, Textil, Dämmmaterial in Hohlräumen.
Eine professionelle Rattenbekämpfung mit Antikoagulantia dauert typischerweise 3–6 Wochen. Nach dem ersten Köderauslegen vergehen 7–14 Tage, bis die Tiere verenden. Anschließend sind 2–3 Kontrolltermine notwendig, um sicherzustellen, dass kein Befall mehr vorhanden ist und alle Köder entfernt wurden.
Ratten selbst sind nicht giftig, aber sie können über 60 Krankheitserreger übertragen: Leptospirose (über Urin), Salmonellen (über Kot), Hantavirus (über Ausscheidungen und Atemluft), Pest (historisch, heute kaum relevant). Im Umgang mit Rattenkot und -nestern immer Handschuhe und Atemschutz tragen.
Die häufigsten Eintrittsquellen sind: Kanalisationsanschlüsse und Toilettenabflüsse (Ratten können in Rohren schwimmen), undichte Kellerwände und -böden, Öffnungen um Rohrleitungen (bereits 2 cm reichen), beschädigte Türdichtungen und Ladeklappen sowie Versorgungslieferungen mit kontaminiertem Gut.
Rattenkot ist deutlich größer (15–20 mm) und zylindrisch mit spitzen Enden. Mäusekot ist kleiner (3–7 mm), tropfenförmig mit Spitzen. Rattenkot hat oft eine etwas gebogene Form ("Bananenform"). Bei mehr als 50 Kotballen an einem Ort ist von einem aktiven Rattennest in der Nähe auszugehen.
PestDeskPro digitalisiert die gesamte Rattenkontrolle: Monitoringplan, Köderboxen, Biozid-Register und Befallsprotokolle — HACCP-konform und auditbereit.
Kostenlos testen →